MgTurm
index
publicações

Webdesign and Copyright
Dr. Joachim W. Zang
Química, CEFET-GO, Brasil

Get Acrobat Reader (Port.)

Ber. der Dt. Mineral. Ges., Beih. z. Eur. J. Mineral., 13, 36 (abstract e pôster), 2001

Die Mg-Verteilung in der Turmalinstruktur
Da Fonseca-Zang, W.A.*, Zang, J.W.* & Hofmeister, W. **

* Centro Federal de Educação Tecnologia de Goiás (CEFET-GO), Química, Rua 75 n.46, Setor Central, 74055-110, Goiânia, Goiás, Brasilien (e-mail: wabf@cefetgo.br)
** Edelsteinforschung, Fachbereich Geowissenschaften, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 55099 Mainz

Bei Strukturverfeinerungen magnesiumreicher Turmaline [1,2,3] der allgemeinen Formel
X[9]Y[6]3 Z[6]6 [Si[4]6O18] (B[3]O3)3 (O,OH)3 (OH,F)
ist eine eindeutige Zuordnung der Kationen zu den Y- und Z-Oktaederpositionen bislang aufgrund des sehr ähnlichen Streuvermögens von Mg (Z=12) und Al (Z=13) nicht möglich. Die ermittelten Abstände und Winkel zwischen Kationen und Anionen enthalten jedoch weitergehende Informationen über die eingebauten Metallionen. Zur Untersuchung von Verteilungsgleichgewichten von Mg2+ auf Y und Z wurde die Struktur eines Dravit-Einkristalls aus Yinnietharra/Australien verfeinert.
Die Strukturverfeinerung wurde bei Raumtemperatur bis Rw=0,043 für 6920 Reflexe, Raumgruppe R3m, Z=3, durchgeführt. Die Startparameter der Atompositionen für den braunen Dravit von Yinnietharra wurden [2] entnommen.

Tab. 1: Strukturdaten

Turmalin

Dravit (Yinnietharra)

Strukturformel

(Na0,7Ca0,25K0,01[]0.04)[9] (Mg2,34Fe2+0,58Mn0,01[]0.07)[6] (Al5,57Ti0,09Mg0,34)[6]
O3 (OH,F) (BO3)3 [Si[4]6O18]

Verfeinerte Variablen

82

Datenpunkte (N)

6920

Z/Elementarzelle

3

Absorptionsfaktor (µ)

13,14 cm-1

Raumgruppe

R3m

a [Å]

15,963 (1)

c [Å]

7,194 (1)

Volumen der EZ

1587,66 Å3

R (isotrop)

4,68% für alle Daten

Abb. 1: Struktur des Dravits aus Yinnietharra, Projektion auf (001)

Abb. 2: Struktur des Dravits aus Yinnietharra, Projektion auf (100)

Das Verhältnis Mg2+/Al3+ auf Y für den beobachteten mittleren Y-O-Abstand von 2.048(3)Å kann nach Abb. 3 wie folgt berechnet werden:
%MgY = (2.048) - (Al-O) * 100 / (Mg-O) - (Al-O)
Die Differenz der nach [5] berechneten Bindungsabstände von Mg-O=2.080 Å und Al-O=1.895 Å beträgt 0.185 Å. Der durch die Strukturdaten ermittelte Abstand von Y-O=2.048(3) Å wird durch Al, Mg, Fe und Mn auf Y verursacht.
Die Berechnung der Besetzung der Y-Position nach obiger Formel ergibt folgende Werte, nachdem der Fe-Gehalt auf Y (0,58 FeY/FE) und der Mn-Gehalt (0,01 MnY/FE) von der Summe der Kationen auf Y (2,93 MeY/FE) abgezogen wurde:
(Mg2+1,94 Fe2+0,58 Mn2+0,01Al0,41[]0,06) , das Mg/Al-Verhältnis auf Y liegt bei 4,73/1.
 
Zur Untersuchung der Al-Substitution durch Mg auf der Z-Position (Abb.4)  wird die Korrelation des mittleren Z-O-Abstands mit dem aus der Kationenbesetzung in Z berechneten MKRZ (mittlerer Kationenradius auf Z) verwendet. Die aus den effektiven Ionenradien von [5] ermittelten Al-O- und Mg-O-Abstände wurden in dieser Korrelation berücksichtigt. Die mittleren Z-O-Abstände der Mg-haltigen Turmaline und der berechnete Mg-O-Abstand korrelieren sehr gut mit den Werten der MKR Z, dagegen weicht der reine Al-O-Abstand stark von der Regressionsgeraden ab. Der Dravit D4 könnte sich mit einem größeren Wert von MKRZ in Richtung der Geraden bewegen, d.h. auf Z wird keine vollständige Besetzung mit Al3+ beobachtet. In Mg-reichen Turmalinen werden die Kationen Ti4+, Cr3+, V3+, Fe3+, Mg2+ und Fe2+ der Z-Position zugeordnet.

In Mg-reichen Turmalinen scheint die Verteilung der Mg-Kationen auf Y und Z in der Art eines Gleichgewichts zu erfolgen. Der überwiegende Teil des Mg2+ wird auf Y eingebaut, ein nicht unerheblicher Prozentsatz ersetzt Al3+ auf Z.

Für die untersuchte Probe ergibt sich:
Na0,70Ca0.25K0,01[]0,04   Mg1,94Fe2+0,58Al0,41Mn2+0,01[]0,06   Al5,16Ti0,09Mg0,75  [(Si5,99 Al0,01 O18]  (BO3)(O,OH)(OH,F)
Es wird folgende gemeinsame Formel für die Mischkristallreihe Dravit-Uvit vorgeschlagen:
X (Mg3-yAly)3 (Al6-zMgz)6 [Si6O18] (BO3)3 (O,OH)3 (OH,F)

Literatur
[1] Buerger, M.J., Burnham, W., Peacor, D.R. (1962): Assessment of the several structures proposed for tourmaline; Acta Cryst.; 15: 583-590
[2] Schmetzer, K., Nuber, B., Abraham, K. (1979): Zur Kristallchemie Magnesiumreicher Turmaline; N. Jb. Miner. Abh.; 136:93-112
[3] Hawthorne, F.C.; MacDonald, D.J.; Burns, P.C. (1993): Reassignment of cation site occupancies in tourmaline: Al-Mg disorder in the crystal structure of dravite; Am. Min.;78:265-270
[4] Baur, W., Wenninger, R., & Kassner (1991): Sadian, a program system for crystal structure refinement
[5] Shannon, R.D. (1976): Revised effective ionic radii in halides and chalcogenides; Acta Cryst.; 32A: 751-767